Ein Erfahrungsbericht aus Schülersicht:
Am 21. September stand plötzlich ein riesen-großes weißes Zelt auf unserem Schulhof.
Herr Balsbering – unser GL-Lehrer- hatte so etwas zwar angedeutet, er hatte aber nicht gesagt, was auf uns zukommen sollte.
Wir mussten uns gleich frühmorgens in Zweierreihen der Größe nach geordnet vor dem Zelt aufstellen und auf Einlass warten. Noch immer wussten wir nicht, was der Tag bringen würde.
Zwei ART at WORK-Mitarbeiter erklärten uns dann, dass wir in den nächsten 5 Stunden in eine andere Welt eintreten würden. Wir hier in Deutschland sagen dazu: Dritte Welt.
Das Zelt sollte eine Nachbildung einer Bekleidungsfabrik in China darstellen und wir waren darin die Arbeiter mit grauen Arbeitsanzügen.
Teils spielerisch, teils sehr realistisch haben wir dann in diesen Vormittagsstunden die Arbeitsbedingungen in dieser 3. Welt am eigenen Leib kennen gelernt.
Kinderarbeit, Umweltverschmutzung durch Pestizide in der Baumwolle und Arbeitstage mit 14-16 Arbeitsstunden sind uns in Deutschland eigentlich nicht bekannt.
In unserer Fabrik mussten wir Aufnäher für T-Shirts zurechtschneiden, bügeln, nähen und bedrucken und wurden dabei von unseren ART at WORK–Chefs behandelt als wären wir echte chinesische Fabrikarbeiter.
Jeder Fehler und jede falsche Arbeit wurden mit Lohnabzügen bestraft. Zu Beginn des Tages erhielten wir schon unseren Tageslohn in Höhe von 15 Chin.Peng, aber da die Chefs sehr streng mit uns umgingen, hatte letztlich jeder von uns am Ende des Arbeitstages nur noch höchstens 6 oder 7 Peng. Dieses Geld war eine fiktive Währung, aber wir brauchten am Ende des Tages mindestens noch 9 Peng, um für unsere Familien genügend zu essen zu kaufen.
Toilettengänge, Essen oder Trinken waren uns an unserem 14-Stunden-Arbeitstag nicht erlaubt!
So ein Arbeitstag wäre für uns in Deutschland undenkbar!! Wir müssen wohl im Paradies leben!
Am Nachmittag haben wir dann in einer Straßenaktion in der Eschstraße die Bünder Passanten nach „sauberer Kleidung“ befragt und sie darüber aufgeklärt unter welchen Bedingungen diese Kleidung nach Deutschland gelangt ist. Viele waren sehr überrascht – viele haben uns aber auch eigentlich gar nicht zugehört.
Trotzdem war es ein sehr ereignisreicher Tag, an dem nicht nur wir viel dazugelernt haben.