Neue Engel in Rot
DRK, Lebenshilfe und Schüler der Erich-Kästner-Schule kaufen für alte Menschen ein
Im Supermarkt: Nicolas Biehle ist einer von acht Schülern der Gesamtschule, die demnächst Einkäufe für hilfsbedürftige Menschen erledigen. Zur Erkennung tragen die jungen Helfer die Jacken vom Deutschen Roten Kreuz. FOTOS: PATRICK MENZEL
VON MEIKO HASELHORST
Bünde. Erst der lange Weg zum Supermarkt, dann das unübersichtliche Sortiment im Regal und zu guter Letzt auch noch mit den schweren Tüten die Treppe rauf – das Einkaufen kann im Alter zur Quälerei werden. Das Deutsche Rote Kreuz bietet in Kooperation mit der Lebenshilfe Lübbecke und Schülern der Erich-Kästner-Gesamtschule ab sofort einen Einkaufsdienst an.
„Die Idee hat es vor Jahren schon mal gegeben“, sagt Sven Kampeter, „daraus ist aber nichts geworden.“ Als er vor einigen Wochen erfuhr, dass Heike Attrot mit der „Lebenshilfe Lübbecke“ einen Kooperationspartner für ein solches Projekt suchte, griff er die Idee wieder auf und sagte spontan zu. Attrot war mit ihrem Projekt an der Erich-Kästner-Gesamtschule bereits auf offene Ohren gestoßen und hatte acht Schüler der Klasen 8 und 9 fürs Mitmachen gewonnen.
Sven Kampeter und Heike Attrot freuen sich darüber gleichermaßen: „Die Jugendlichen lernen beim Einkauf, Verantwortung zu übernehmen, teamfähig und zuverläsig zu sein – und sie stellen fest, wie gut es tut, sich für eine gute Sache einzusetzen“, sagt Kampeter.
Rania Hijazi (15) findet es „schön, anderen Leuten zu helfen“, Alina Kikov (15) „wollte das mal ausprobieren“, Dorothea Görlitz (15) „hat spontan zugesagt“, Silvia Cassing (14) hatte „schon lange nach einer ehrenamtlichen Tätigkeit gesucht“, Christian Kröger (14) wünscht sich so etwas „wenn ich selbst mal alt bin“.
Das Angebot ist aber nicht nur für alte Leute – Monika Hoch ist gerade mal 63 und könnte bald zur ersten Kundin des neuen Projektes werden. „Nächste Woche werde ich an der Wirbelsäule operiert“, sagt die ehemalige Altenpflegerin, „wer weiß, wie lange ich danach auf fremde Hilfe angewiesen bin.“ Hoch kann sich durchaus vorstellen, das Angebot bald in Anspruch zu nehmen.
Nutzer haben nichts weiter zu tun, als einen Einkaufszettel zu schreiben und ihn den jungen Helfern – zusammen mit dem Geld – mit auf den Weg zu geben. Weitere Unkosten entstehen nicht. Eingekauft wird alles außer Zigaretten und Alkohol. Damit die Schüler von ihren Kunden als „Einkäufer“ erkannt werden, bekommen sie ein Namensschild und eine rote Jacke vom DRK. Der Einkauf wird dann nach Hause geliefert.
Der Service, so Kampeter, werde sich zunächst auf Bünde und seine verschiedenen Ortsteile beschränken. Wenn die Sache gut laufe, könne er sich auch vorstellen, den Einkaufsdienst auf Kirchlengern und Rödinghausen zu erweitern. „In bestimmten Fällen können wir außerdem einen Fahrdienst einsetzen, so dass man gemeinsam einkauft“, sagt Kampeter.
Heike Attrot von der Lebenshilfe hält die jungen Schüler und Schülerinnen an, etwaiges Trinkgeld nur in sehr geringer Höhe anzunehmen. „Die alten Menschen haben oft selbst nichts – alles, was über einen Euro hinausgeht, ist bedenklich.“
Lohnen soll sich das Engagement trotzdem: Den Schülern und Schülerinnen wird – zusammen mit dem nächsten Halbjahreszeugnis – ein Zertifikat überreicht. „Das ist später sicher ein Pluspunkt auf der Suche nach einem Arbeitgeber“, sagt Kampeter.
´ Wer sich für das Angebot interessiert – ob als Ehrenamtlicher oder als Nutzer – kann sich unter Tel. (0172) 951 89 50 mit Sven Kampeter vom Deutschen Roten Kreuz in Verbindung setzen.