Pisa soll Schrecken verlieren

Uni Duisburg/Essen untersucht Unterricht an der Erich-Kästner-Gesamtschule

Zweifach im Fokus: Physiklehrer Christoph Siemon und seine Zehntklässler wurden gestern von Julia Lipka (hinten links) und Cornelia Geller (vorn rechts) aus zwei Perspektiven gefilmt. Siemon als Wissens-Vermittler, die Schülerinnen und Schüler, um im Bild festzuhalten, ob Siemons Ausführungen auch wirklich gut "rüber kommen". FOTOS: PAUL PRÖTER

VON PAUL PRÖTER

Bünde. Den Begriff Pisa hören und ein schlechtes Gewissen bekommen, das passierte in den den letzten Jahren fast stets zeitgleich. Das deutsche Bildungswesen erreichte im internationalen Vergleich nur selten akzeptable Noten, aber jetzt will die Universität Duisburg/Essen das ändern helfen.
Im Oktober 2008 wurden nach dem Zufallsprinzip 50 Schulen aller Typen in ganz NRW ermittelt, die den Studenten aus dem „Pütt“ Anschauungsmaterial für eine groß angelegte Studie liefern sollten. Die Erich-Kästner-Gesamtschule in Bünde gehört dazu, bereits zum zweiten Mal waren gestern Julia Lipka und Cornelia Geller zu Gast im Schulzentrum Nord. Und nachdem man den Einsatz im Herbst 2008 zunächst nur vorbereitet hatte, wurde es jetzt ernst.

Mal was Neues: Jelena Nesiz und Nina Klasing (r.) vergaben gestern erstmals nach einer Physikstunde Noten für die Lehrkraft.

Bewaffnet mit zwei Kameras und weiterem Hightec-Equipment, nahmen Julia und Cornelia eine Physik-Unterrichtsstunde von Christoph Siemon mit Schülerinnen und Schülern der 10. Jahrgangsstufe unter die Lupe.
„Bei unseren Untersuchungen legen wir den Schwerpunkt auf den Aspekt Pädagogik“, erläuterte Cornelia Gellert, die im Rahmen dieses Projekts ihre Doktorarbeit schreibt, der NW die Hauptzielrichtung. „Es geht also nicht vorrangig um das Niveau des Lehrstoffs, sondern mehr um seine Vermittlung“, ergänzte die angehende Frau Doktor. Und was sie zusammen mit Assistentin Julia Lipka in der Physikstunde von Christoph Siemon erlebte, hat ihr gefallen.
Wissenschaftlich ausgewertet wird die Daten- und Filmsammlung nach dem Sommersemester 2009 (also auch nach dem Schuljahr 2008/2009). Und das kann dauern. „Die Ergebnisse aus den drei untersuchten Ländern Deutschland, Schweiz und Finnland müssen natürlich bereinigt werden“, erläuterte Cornelia Geller. „Von dem Team, das parallel zu uns Schulen in Finnland untersucht, habe ich erfahren, dass es dort teilweise ganz andere Rahmenbedingungen gibt.“
Der Unterricht wiederum sei sehr ähnlich, ist Geller zu Ohren gekommen. Und so darf man auf die Diagnose in Sachen schlechtes Pisa-Abschneiden der Deutschen im Frühjahr 2010 gespannt sein.

© Erich Kästner-Gesamtschule (Peter Gärner)