Schüler helfen Seenotrettern
Arbeitsgemeinschaft der Kästner-Gesamtschule übernimmt Verantwortung zur Aktion „Klasse Seenotretter“
Symbolischer Akt: Die Schüler der Erich Kästner-Gesamtschule haben den Rettungsring des Seenotkreuzers "Nis Randers" übernommen und wollen nun für ein Schuljahr intensiv die Werbetrommel für die DGzRS rühren. FOTO: PATRICK MENZEL
VON PATRICK MENZEL
Bünde. Auch von der höchsten Schuldachspitze der Erich Kästner-Gesamtschule sind weder Nord- noch Ostsee zu sehen. Zu hören ist nicht einmal das Rauschen des Dümmer Sees. Doch als die Schüler die Anfrage der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) bekamen, die Arbeit der Lebensretter zu unterstützen, war keine lange Debatte notwendig: Ein Jahr lang werden sie nun als einzige deutsche Schule offizieller Vertreter der Aktion „Klasse Seenotretter“ sein.
Dass es so weit weg vom Seewasser etwas ungewöhnlich ist, gerade den Retter in Nord- und Ostsee mit Aktionen und Spendensammlungen zu helfen, gibt Thorsten Neumann von der DGzRS gern zu. „Aber genau das ist der Hintergrund: Die Seenotretter sind im Binnenland kaum bekannt, obwohl sie lebenswichtige Dienste leisten“, erklärt Neumann. Dabei ist die Öffentlichkeit bitter notwendig für die 185 hauptamtlichen und mehr als 800 ehrenamtlichen Helfer auf den 61 Booten der Rettungsflotte. „Denn die Arbeit finanziert sich vollständig aus Spendengeldern“, so Neumann.
Deswegen war es für die Schüler keine Frage, diese Arbeit zu unterstützen. Es geht dabei, wie Bernd Festerling und Michael Hafner – beide Lehrer betreuen die Arbeitsgemeinschaft „Klasse Seenotretter an ihrer Schule – berichten, zwar vorrangig darum, die DGzRS in der Bevölkerung bekannter zu machen, aber natürlich wollen die Schüler auch Geld sammeln. Dabei haben die Gesamtschüler einen großen Anspruch. Bei der Vorgängerschule, der Grund- und Hauptschule in Gildehaus, hatte eine 9. Klasse die Aktion betreut und 5.100 Euro gesammelt. „Das wollen wir auch schaffen“, geben sich die Gesamtschüler ehrgeizig. Unterstützung bekommen sie von den Mitgliedern der Marinekameradschaft Bünde. Schüler und Mariner kennen sich bereits von den Tagen der Seenotrettung im vergangenen Juni in der Elsestadt. „Zu diesem Anlass sind 40 Schüler mit Sammelschiffchen der DGzRS durch die Fußgängerzone gezogen und haben fleißig Spenden gesammelt“, erinnert sich Jan Becker von der Marinekameradschaft an die vorbildliche Zusammenarbeit. Als Anerkennung für ihr Engagement durften die Schüler die DGzRS-Leitstelle in Bremen besichtigen. Für stellv. Schulleiter Friedhelm Heckemeyer ist das Projekt auch aus pädagogischer Sicht von großer Bedeutung: „Unsere Schüler engagieren sich bei der Feuerwehr, beim DRK, für die Seenotretter und – unser neuestes Vorhaben – im Projekt Helfen Lernen“. Ehrenamtliches soziales Engagement von Jugendlichen soll gefördert werden. Als sichtbares Symbol hat die Schule den orangen Rettungsring des Seenotkreuzers „Nis Randers“ von der Vorgängerschule in Gildehaus bekommen. Um die lebensgefährliche Arbeit der Seenotretter bekannter zu machen, plant die Schülervertretung einige Aktionen.
So soll ein Verkaufsstand mit Artikeln der DGzRS in der Schule eingerichtet werden. Gemeinsam mit den Bünder Marinekameraden wollen die Schüler zu Hafenfesten entlang der Weser fahren, um hier kräftig die Werbetrommel zu rühren, und mit Aktionen beim Schulfest im Mai oder in der Bünder Innenstadt über die Arbeit der DGzRS informieren. Die Schüler werden sich sicherlich einiges einfallen lassen, um den Bündern die Seenotrettung nahe zu bringen. Auch wenn das Meer weit weg ist.