Neben Touristenparadies versteckt sich Armut
Erich-Kästner-Gesamtschule: Zwölfter Jahrgang zeigt ökologisches und soziales Engagement in Ägypten
Studienfahrt nach Ägypten. 62 Schüler sowie drei Lehrerinnen und drei Lehrer in dem nordafrikanischen Land. Die Gruppe erkundete die Ökologie der Korallenhilfe, unterstützte außerdem die ortsansässigen Hilfsorganisation Resala, die verstoßene Kinder mit Lebensmitteln unterstützt.Fotos: BZ
Bünde (hr/BZ). »Können wir nicht wieder zurückfliegen?« Diesen Wunsch äußerten Schüler des zwölften Jahrgangs der Kästner-Gesamtschule am Tag nach der Rückkehr aus Ägypten, dem Ziel ihrer Studienfahrt. Sieben Tage verbrachten 62 Schüler sowie drei Lehrerinnen und drei Lehrer in dem nordafrikanischen Land.
Hurghada in Ägypten, 40 Grad im Schatten, das Rote Meer vor der Haustür des Hotels - das klingt nach Sommer, Sonne und Ferienstimmung. Die Begeisterung der Schüler hat aber durchaus tiefer gehende Gründe. Gemeinsam mit ihren begleitenden Lehrerinnen und Lehrern und in Zusammenarbeit mit der Umweltschutzorganisation HEPCA erkundeten die Jugendlichen den sensiblen Lebensraum Korallenriff und erfuhren so hautnah sowohl die Faszination, als auch die ökologische Bedeutung dieser sensiblen Unterwasserwelt, deren Artenvielfalt sie zu »Regenwäldern der Meere« macht. Dabei kam auch die wissenschaftliche Aufarbeitung nicht zu kurz. Kurs- und Jahrgangsstufenleiterin Annette Gießelmann leitete zusammen mit ihrem Leistungskurs Biologie die Schüler bei den Untersuchungen im Freiwasser an. Die Entnahme und Auswertung von Wasserproben, Artenaufnahme und Vergleiche mit den Daten des Vorjahrs ermöglichten den Schülerinnen und Schülern praktische, biologische Arbeit, wie sie im Klassenraum nur schwerlich vorstellbar ist. Die Auswirkungen der globalen Erderwärmung und die Folgen des Tourismus auf das marine Ökosystem wurden in zahlreichen Rifferkundungen deutlich. In den anschließenden Auswertungen und Diskussionen wurde den Schülern ihre persönliche Verantwortung für den Erhalt dieser Oasen in den »Wüsten des Meeres« bewusst. Dies führte dann auch zu einer geschärften Wahrnehmung für das Verhalten anderer Touristen im Riff. Die Schüler nahmen ihre Verantwortung wahr und versuchten auf andere Schnorchler, die sich nicht rücksichtsvoll in diesem Naturraum verhielten, durch Informationen positiv einzuwirken.
Gedankenaustausch (von links): Oberstufenleiter Bernd Fiedler, eine Mitarbeiterin der Hilfsorganisation Resala, Jahrgangsstufenleiterin Annette Gießelmann und ein Mitarbeiter der Umweltschutzorganisation HEPCA.
Bei aller guten Laune und Begeisterung für das exotische Reiseziel blieben die Augen der Jugendlichen allerdings offen für die gravierenden sozialen Probleme des Landes. Durch das Gespräch mit einem Hotelgast erfuhr die Reisegruppe von der unerträglichen Lebenssituation verstoßener und verwaister Kinder, die in Höhlen im Umland von Hurghada leben. Ihnen bleibt oftmals nur die Bettelei als Überlebenschance. Schnell war für die Reisegruppe der Gesamtschule klar, hier genauer hinzuschauen. So knüpfte eine Abordnung, bestehend aus dem Schülersprecher Oliver Schaffer und den Lehrkräften Karlo Keller und Julia Lang Kontakt zu der ortsansässigen Hilfsorganisation Resala, die sowohl Ersthilfe in Form von Lebensmittelspenden unternimmt, als auch weitergehend den Schulbesuch für Kinder verarmter Familien finanziell unterstützt. Der gesamte zwölfte Jahrgang spendete gemeinsam Geld aus den eigenen Reisekassen, um so 100 Kilogramm Reis und frische Lebensmittel für die Kinder zu sammeln, die ganz in der Nähe der Ferienparadiese nicht einmal in festen vier Wänden leben. Der direkte Kontakt zu der Hilfsorganisation soll auch in Zukunft weiterverfolgt und nach Möglichkeit intensiviert werden. So liegt es wohl nicht nur an Sommer, Sonne und Strand, dass viele Schüler am liebsten wieder die Koffer packen wollen. Die Fahrt des zwölften Jahrgangs der Gesamtschule war im wörtlichen Sinn eine Studienfahrt, mit einer Vielzahl neuer Erkenntnisse, ökologischer wie auch menschlicher Natur.