So lautete der Titel einer Fachtagung, die von Frau Prof. Dr. Oechsle am 11.12.2003 an der Universität Bielefeld veranstaltete wurde. Wenn das Schultor sich zum letzten Mal schließt, wissen viele Jugendliche noch nicht, welchen Berufsweg sie einschlagen sollen. Kein Wunder in den unübersichtlichen Zeiten! Derzeit können die Jugendlichen sich zwischen 350 staatlich anerkannten Ausbildungsberufen(vgl. iwd, 2003) je nach Ausbildungsfähigkeit und Ausbildungsmöglichkeit entscheiden bzw. nicht entscheiden. Studiennabschlüsse, Studienordnungen und Studienorte verändern sich ständig hinzukommen eine Vielzahl von privaten Bildungsträgern. Der Übergang zur Wissengesellschaft wird hier schon deutlich. Wer in der Schule es nicht lernt sich sinnvolle Informationen zu beschaffen, sich nicht auch selbsttätig engagiert, wird kaum noch am globalisierten Arbeitsmarkt teilhaben können. ,, In der individualisierten Gesellschaft muß der einzelne entsprechend bei Strafe seiner permanenten Benachteiligung lernen, sich selbst als Handlungszentrum, als Planungsbüro in bezug auf seinen eigenen Lebenslauf, seine Fähigkeiten, Orientierungen (...) zu begreifen." (Beck, 1986). Gleichwohl darf die Schule sich nicht auf eine Zulieferfunktion für rein ökonomischen Interessen reduzieren lassen, denn ,,(...) das Wirtschaftssystem auf der anderen Seite reduziert die Komplexität des Erziehungssystems durch seine ökonomisch gefärbte Brille: Hier wird von der Verwendungsnotwendigkeit des erlernten Wissens ausgegangen und das Erziehungssystem nur als Ressourcenbeschaffer für die eigene Operationsfähigkeit betrachtet.“ (Kurtz, 2002) Was kann oder soll die Schule also leisten , um den Dschungel der beruflichen Möglichkeiten für die Schülerinnen und Schüler zu lichten? Betriebserkundungen und Schülerbetriebspraktika sind Möglichkeiten realistische (erfahrungsorientierte) Einblicke in die Berufs- und Arbeitswelt zu bekommen. Hier können Schülerinnen und Schüler die veränderten beruflichen Qualifikationsanforderungen vor Ort erfahren, so dass sie möglichst rechtzeitig in ihrem individuellen Berufswahlorientierungsprozess die für sie relevanten Weichen stellen können. Unsere Schule ist bemüht viele am Berufsorientierungsprozess beteiligte Akteure : die Eltern, die Agentur für Arbeit, die Wirtschaft, die externen Bildungseinrichtungen und die Lehrerschaft zu vernetzen, Verantwortungsgemeinschaften aufzubauen, die Hilfestellungen leisten können. Entscheidungen müssen letztlich die Schülerinnen und Schüler selber treffen. Hier ein kleiner Tipp: Beruf kommt auch von Berufung, nur was man gerne macht, macht man auch gut!

(Literaturverzeichnis
Beck, Ulrich, Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne, Frankfurt am Main 1986, S .217
Informationsdienst des Instituts der deutschen Wirtschaft (iwd), Jg. 29, Nr. 50 2003, S. 8
Knauf, Helen u.a., Berufsorientierung in der gymnasialen Oberstufe. Eine Erhebung zur Angebotsstruktur im Regierungsbezirk Detmold, Bielefeld 2002
Kurtz, Thomas, Zur strukturellen Kopplung von Erziehung und Wirtschaft, in: Wingens, Matthias, Sackmann, Reinhold Hrsg., Bildung und Beruf. Ausbildung und berufsstruktureller Wandel in der Wissensgesellschaft, Weinheim, München 2002, S. 23-37, S. 32)

Studien- und Berufsorientierung in der Oberstufe

Orientierung in der Universität Bielefeld

Die Schülerinnen und Schüler sollen sich mit dem Eintritt in die gymnasiale Oberstufe frühzeitig über ihre beruflichen Perspektiven, die mit höher qualifizierten Schulabschlüssen verbunden sind, informieren.
Im Sinne einer Öffnung von Schule wird hierzu eng mit einer Vielzahl von außerschulischen Partnern im regionalen Umfeld zusammengearbeitet.

Die Schülerinnen und Schüler des elften Jahrgangs absolvieren in den letzten beiden vollen Wochen vor den Sommerferien ein Schülerbetriebspraktikum . Dieses dient der Orientierung in höher qualifizierten Berufsfeldern.

Durch die enge Kooperation mit der Universität bzw. der Fachhochschule Bielefeld ist es interessierten Schülerinnen und Schülern auch möglich ein ,,Schnupperstudium“ in den Fächern ihrer Wahl aufzunehmen.

Je nach individuellem Orientierungsschwerpunkt haben die Schülerinnen und Schüler also folgende Auswahlmöglichkeiten:

  • Sie absolvieren ihr Praktikum 14 Tage im Betrieb.
  • Sie informieren sich an der Universität oder Fachhochschule über 1-2 Studienfächer ihrer Wahl und besuchen ausgewählte Lehrveranstaltungen.
  • Sie bleiben nur eine Woche an der Universität bzw. Fachhochschule und hospitieren in der zweiten Woche in einem adäquaten Berufsfeld.

Die Schülerinnen und Schüler auf dem Weg in die Universität, um erste Erfahrungen und Eindrücke zu sammeln. Hier besteht auch die Möglichkeit eines "Schnupperstudiums".




Zuständig für die Berufswahlorientierung in der Oberstufe ist Frau Dr. Kahl-Lüdtke.

© Erich Kästner-Gesamtschule (Peter Gärner)